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Knie- oder Hüftgelenkersatz?

28. Sept.
6 Min. Lesezeit

Zurück in Bewegung – mit gezielter Therapie und individuellem Training bei Knie- oder Hüftgelenkersatz.

Treppensteigen, Spazieren oder schmerzfrei aufstehen, was für die meisten selbstverständlich klingt, ist für viele Arthrosepatienten eine Wunschvorstellung. Ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk kann hier eine Möglichkeit sein wieder mehr Beweglichkeit und Lebensqualität zu gewinnen. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt für eine solche Operation?


Sportler hält schmerzendes Knie mit roter Leuchtmarkierung beim Joggen im Freien, unscharfer Naturhintergrund.

Der Gedanke an ein neues Gelenk ist für viele Betroffene mit großer Unsicherheit verbunden. Totalendoprothesen, kurz TEP,  gehören heute jedoch zu den häufigsten und erfolgreichsten orthopädischen Operationen. Allein im Jahr 2024 wurden insgesamt 410.333 solcher Eingriffe an Hüfte und Knie durchgeführt. Darunter waren 199.052 Erstimplantationen an der Hüfte und 173.252 am Knie (EPRD, 2025).

Trotz ihrer Häufigkeit sollte eine solche Operation nie der erste, sondern der letzte Behandlungsschritt sein, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben. Entscheidend sind nicht allein ein auffälliges Röntgenbild oder das Vorliegen von Arthrose, sondern vor allem die Stärke der Schmerzen, die funktionellen Einschränkungen, die Beeinträchtigung der Lebensqualität und der persönliche Leidensdruck (DGOU, 2024).


Was ist eine TEP?


Im Volksmund spricht man oft von einem neuen oder künstlichen Gelenk, medizinisch korrekt handelt es sich um eine Totalendoprothese. Dabei werden die beschädigten Gelenkflächen durch  künstliche Komponenten ersetzt. Bei einer Hüft-TEP tauscht man Hüftkopf und Gelenkpfanne aus, bei einer Knie-TEP werden die Gelenkflächen von Oberschenkelknochen und Schienbein überkront, gegebenenfalls auch die Kniescheibenrückseite. Moderne Implantate sind erstaunlich belastbar und halten lange. Registerdaten belegen, dass ungefähr 58 Prozent der Hüft-TEP 25 Jahre überdauern. Bei Knie-TEP lag die entsprechende Rate bei etwa 82 Prozent (Evans et al., 2019).


  • Knie-TEP
  • Hüft-TEP

Arthrose als Hauptursache


Der häufigste Grund für eine TEP, egal ob Knie- oder Hüftgelenkersatz, ist eine fortgeschrittene Arthrose. Dabei handelt es sich um eine degenerative Gelenkerkrankung, die durch fortschreitenden Knorpelabbau, Schmerzen und zunehmende Funktionseinschränkungen gekennzeichnet ist. Typisch sind Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen, die bekannte Morgensteifigkeit. Im späteren Verlauf können auch Ruheschmerzen sowie eine dauerhafte Einschränkung von Beweglichkeit, Muskelkraft und Gehstrecke auftreten. Arthrose tritt zwar gehäuft im höheren Alter auf, entsteht aber nicht einfach durch „Abnutzung". Vielmehr spielen mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehören das Alter, genetische Veranlagung, Geschlecht, angeborene oder erworbene Fehlstellungen sowie frühere Verletzungen. Frauen sind insbesondere im höheren Lebensalter häufiger von Gonarthrose betroffen als Männer. Hinzu kommen veränderbare Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, langjährige Fehlbelastungen und frühere Gelenkverletzungen. Auch Verletzungen, beispielsweise ein Kreuzbandriss oder eine Meniskusschädigung, können das Risiko für eine spätere Arthrose erhöhen. Das gilt insbesondere dann, wenn nach der Verletzung zusätzliche strukturelle Schäden oder Instabilitäten bestehen (DGOU, 2024).

Vielleicht kennst Du einige dieser Symptome selber oder einzelne Risikofaktoren treffen auch auf Dich zu. Dann warte nicht und lass noch weniger zu, dass Dein Schmerz Dein Bewegungsradius einschränkt. Ganz im Gegenteil, schau nach professioneller Hilfe und frag nach, was in Deinem Fall empfehlenswert wäre.

Wichtig zu wissen: Ein schmerzendes Gelenk oder ein auffälliges Röntgenbild allein bedeuten nicht automatisch, dass Du eine Prothese brauchst. Entscheidend ist, wie stark Dich Dein Gelenk im Alltag einschränkt und wie intensiv Deine Schmerzen sind.

Konservative Therapie zuerst: Belastung schafft Belastbarkeit


Bevor eine Operation ins Spiel kommt, sollten alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Internationale Leitlinien empfehlen klar: Bewegungstherapie und Krafttraining stehen an erster Stelle, noch vor Medikamenten oder Operation. Das klingt zunächst widersprüchlich, dass ein schmerzendes Gelenk weiter bewegt und belastet werden soll. Viele haben Angst, Knorpel und Gelenk dadurch noch weiter zu schädigen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Gezielte, sinnvoll dosierte Belastung kann Deine Belastbarkeit sogar wieder steigern und den Alltag spürbar erleichtern. Knorpel und Knochen benötigen regelmäßige Druck- und Zugbelastung um gesund und stark zu bleiben.

Krafttraining stärkt die Muskulatur, die Dein Gelenk stabilisiert. Bei Kniearthrose liegt der Fokus auf Oberschenkel- und Hüftmuskulatur, bei Hüftarthrose auf Gesäß- und Rumpfmuskulatur. Ergänzend wirken Ausdaueraktivitäten wie Radfahren, Schwimmen oder Gehen. Studien belegen: Krafttraining führt bei Kniearthrose zu moderaten, aber konsistenten Verbesserungen bei Schmerz, Kraft und Funktion – unabhängig vom radiologischen Schweregrad. Wichtig ist die Regelmäßigkeit: Mindestens zweimal pro Woche progressives Krafttraining, ergänzt durch Ausdauer und Beweglichkeit.

Wichtig zu wissen: Selbst wenn es im späteren Verlauf zu einer Operation kommt, kann einem ein vorhergegangenes Krafttraining deutliche Vorteile verschaffen. Denn je fitter man vor dem Eingriff ist, desto leichter gestaltet sich die darauffolgende Rehabilitation (DGOU, 2024; Kolasinski et al., 2020).

Frau macht Kniebeuge mit Langhantel in dunklem Fitnessraum vor hellen Fenstern.

Wann ist eine Operation sinnvoll?


Eine Operation wird vor allem dann interessant, wenn Deine Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung dauerhaft erheblich bleiben und Deine Lebensqualität spürbar einschränken.  Ein Gelenkersatz kann dann Sinn machen, wenn folgende drei Punkte zusammenkommen:


  • Deine Schmerzen nehmen zu bis hin zu dauerhaften Ruhe- oder Nachtschmerzen.

  • Deine schmerzfreie Gehstrecke wird immer geringer.

  • Deine Gelenkbeschwerden hindern Dich daran, das zu tun, was Du gerne machen willst oder musst z.B. Hobbys, soziale Aktivitäten, Haushalt oder Deine Arbeit.


Die Entscheidung solltest Du letztlich gemeinsam mit Deinem behandelnden Orthopäden treffen. Eine Zweitmeinung vor der endgültigen Entscheidung kann zusätzlich Sicherheit geben und Dir helfen, alle Optionen noch einmal in Ruhe abzuwägen (DGUO, 2023)

Wichtig: Nach der Operation unbedingt früh aktiv werden!

Nach einer Hüft- oder Knie-TEP geht es in der Regel nicht darum, das neue Gelenk möglichst lange zu schonen. Vielmehr beginnt die Rehabilitation häufig bereits am Operationstag oder am ersten Tag nach der Operation mit ersten Bewegungsübungen, dem Aufstehen und dem Gehen mit geeigneten Hilfsmitteln (NHS Lothian, 2020). Ziel ist es, Schritt für Schritt wieder möglichst selbstständig zu werden. Die postoperative Rehabilitation sollte dabei nicht für jeden Menschen gleich aussehen. Sie wird an den Schwellungs- und Schmerzzustand, die Beweglichkeit, die Muskelkraft, die Begleiterkrankungen und die individuellen Ziele angepasst.

Manche Patienten benötigen eine intensive physiotherapeutische Begleitung, andere können nach einer entsprechenden Anleitung einen großen Teil des Trainings selbstständig durchführen. Entscheidend ist, dass die Rehabilitation an die individuellen Ziele und Einschränkungen angepasst wird. Die aktuelle Studien zeigen, dass unterschiedliche Rehabilitationsprogramme zu vergleichbaren Verbesserungen führen können, wenn sie patientenorientiert und zielgerichtet durchgeführt werden (Konnyu et al., 2022).


Was darfst Du nach einer TEP erwarten?


Das wichtigste Ziel einer Gelenkersatzoperation ist nicht ein perfektes Röntgenbild, sondern ein funktionierender, möglichst schmerzarmer Alltag. Dennoch solltest Du realistische Erwartungen haben: Ein künstliches Gelenk ist kein „neues Originalgelenk". Gerade nach einer Knie-TEP können ein Spannungsgefühl, eine gewisse Reststeifigkeit oder gelegentliche Beschwerden noch längere Zeit bestehen.

Der Heilungsverlauf ist individuell und hängt von Faktoren wie Alter, Fitness, Muskelkraft, Begleiterkrankungen, Gewicht und der Ausgangssituation vor der Operation ab.  Was kannst Du selbst für ein gutes Ergebnis tun? Eine erfolgreiche Operation ist Teamarbeit – und Du spielst dabei eine entscheidende Rolle(NICE,2020):


  • Bewegung: Übungen solltest Du regelmäßig durchführen – langfristig sollte körperliche Aktivität Teil Deines Alltags bleiben.

  • Kraft aufbauen: Auch nach Abschluss der Rehabilitation bleibt Krafttraining sinnvoll für Stabilität, Gleichgewicht und Belastbarkeit.

  • Geduld haben: Heilung ist kein linearer Prozess. Gute und schlechte Tage gehören dazu. Gerade nach einer Knie-TEP kann die Verbesserung über mehrere Monate fortschreiten.

  • Belastung sinnvoll steigern: Weder dauerhafte Schonung noch ein zu schneller Wiedereinstieg sind sinnvoll. Die Belastung sollte schrittweise an Deine aktuelle Leistungsfähigkeit angepasst werden.

  • Eigenverantwortung: Die Physiotherapie ernst nehmen, aber auch Verantwortung für Deine eigene Rehabilitation übernehmen. Der Therapeut kann den Weg zeigen – gehen musst Du ihn selbst.


Therapie bei Meilenstein


Bei Meilenstein verbinden wir Physiotherapie mit  aktivem Training. Je nach Phase und persönlichen Ziel begleiten wir Dich vor oder nach einem Knie- oder Hüftgelenkersatz. Eine Knie- oder Hüft-TEP ist kein Grund dauerhaft vorsichtig zu bleiben. Mit gezielter Therapie und passendem Training kann Schritt für Schritt wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper entstehen.

Du hast ein neues Gelenk bekommen oder planst eine Operation? Wir entwickeln gemeinsam Deinen Weg zurück zu mehr Beweglichkeit, Kraft und Alltagssicherheit.


Möchtest Du mehr über Unterstützungsmöglichkeiten bei einer Knie- oder Hüft-TEP erfahren, dann schau doch mal bei uns vorbei oder vereinbare direkt einen kostenfreien Termin mit uns:



Du möchtest uns auf unserer Gründerreise begleiten oder mehr über Meilenstein Therapie und Training erfahren, dann schau doch gerne auf unserer Website unter www.meilenstein-landsberg.de vorbei oder abonniere jetzt unseren Newsletter, der Dich über die neusten Events und baldigen Angebote auf dem Laufenden hält.



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Wir gehen die nächste Meile, kommst Du mit?

Vorstellung unserer Physiotherapeutin Anna. Lächelt und hat ein schwarzes Meilenstein Teamshirt an.

Unsere Gastautorin Anna. Sie ist gelernte Physiotherapeutin und studiert zur Zeit Gesundheitspsychologie in München. Bei Fragen an Sie kommt gerne im Meilenstein vorbei oder schreibt ihr direkt eine Mitteilung an die info@meilenstein-landsberg.de

Quellen:

(1) Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) (2025) EPRD Annual Report 2025. Berlin: EPRD Deutsche Endoprothesenregister gGmbH

(2) Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU) (2023) S2k-Leitlinie Indikation Knieendoprothese. AWMF-Register-Nr. 187-004

(3) Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU) (2024) Gonarthrose: S2k-Leitlinie. AWMF-Register-Nr. 187-050

(4) Evans, J. T., Evans, J. P., Walker, R. W., Blom, A. W., Whitehouse, M. R. and Sayers, A. (2019b) ‘How long does a knee replacement last? A systematic review and meta-analysis of case series and national registry reports with more than 15 years of follow-up’, The Lancet, 393(10172), S. 655–663

(5) Kolasinski, S. L. et al. (2020) ‘2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation guideline for the management of osteoarthritis of the hand, hip, and knee’, Arthritis Care & Research, 72(2), pp. 149–162

(6) Konnyu, K. J. et al. (2022) Prehabilitation for total knee or total hip arthroplasty: A systematic review. Comparative Effectiveness Review No. 248.

(7) National Institute for Health and Care Excellence (NICE) (2020a) Joint replacement (primary): hip, knee and shoulder. NICE guideline NG157




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